Nun ist die erste Fotoreise an die dänische Ostseeküste schon wieder Geschichte. Doch wie entstand eigentlich die Idee, das Djursland mit dem Nationalpark Mols Bjerge und Aarhus als Fotoreise ins Auge zu fassen? Manchmal sind es die kleinen Zufälle. Meine Frau und ich warteten im Herbst 2024 an einem Fähranleger in Nordnorwegen und kamen mit einem Paar aus Dänemark ins Gespräch. Sie fragten uns, ob wir Ebeltoft und Aarhus kennen würden, wenn nein, da sollten wir unbedingt hin. Und wie es der weitere Zufall so wollte, habe ich während unserer Nordlandtour einen Krimi mit dem Schauplatz Aarhus gelesen. Der Entschluss stand dann fest: Ich werde in 2025 ins Djursland zur Planung einer Fotoreise fahren. Und man kann jetzt feststellen: Es hat sich gelohnt.
Ebeltoft
Zwei Monate vor dem Start ein Schreckmoment. Wir erhielten eine beunruhigende Nachricht von unserem Hotel; alle Buchungen wurden storniert, da das Hotel verkauft wurde und ab Mai nicht weiter als Hotel betrieben werden soll. Doch schnell ergab sich eine Lösung, die sich im Nachherein als sehr positiv herausstellte. Das Hotel Molskroen in Femmøller, nur fünf km entfernt von Ebeltoft, hat uns Zimmer angeboten, obwohl sie in der Woche zwei Tage geschlossen hatten. Wir waren untergebracht im angegliederten Strandhotel und hatten bis auf den letzten Tag das Hotel für uns ganz alleine. Die Bedingungen waren für uns als Fotoreisende optimal mit einer großzügigen Sitzecke und riesigem TV zur freien Verfügung. Danke noch einmal ans Hotel Molskroen, dass sie uns aus der schwierigen Lage so unkompliziert geholfen haben.
Die ersten Fotos entstanden so direkt am ersten Abend nach einem vorzüglichen Essen im Hotel direkt am ca. 200m entfernten Femmøller-Strand. Ein schöner Sonnenuntergang mit einem tollen Wolkenhimmel.
Am nächsten Tag haben wir nach einer Einführung in die Reise das nahe gelegene Handelsstädchen Ebeltoft mit seinem historischen Flair und seiner dänischen Gemütlichkeit fotografisch erkundet. Vom Parkplatz bei der „Fregatten Jylland“ erreichten wir schnell die Altstadt mit ihren mit Kopfsteinen gepflasterten Gassen, u.a. die alte „Maltefabrikken“ - Ebeltofts neues und kulturelles Zentrum, „Det Gamle Rådhus“ und einige nutzten noch die Gelegenheit für einen Besuch des international renommierten Museums „GLAS - Museet for Glaskunst“.
Aarhus
Zwei Tage war für Aarhus reserviert. Von einem zentralgelegenen Parkplatz machten wir uns zuerst auf zum Kunstmuseum ARoS, weiter durch einen Park zum Møllestien, eine sehenswerte Straße mit alter Architektur, um dann anschließend das quirlige Leben im „Latinerkvarteret“, perfekt geeignet für Liebhaber der Streetfotografie, fotografisch einzufangen. Von dort war es nicht weit zu den Docklands von Aarhus Ø, dem ehemaligen Containerhafen, ein Leckerbissen für Architekturfotografen; exemplarisch dafür: DOOK 1, Navitas, Bassin 7 mit der Wasserskianlage und dem Havnebadet, das Lighthouse und der Wohnkomplex Isbjerget.
Am Varna Strand / Ballehage Strand kann ein weiteres Kunstobjekt - „De Uendelige Bro“ - bestaunt werden. Diese aus Holz gefertigte kreisförmige Brückenkonstruktion führt vom Strand hinaus in die Aarhuser Bucht. Auf dieser kreisförmigen unendlichen Brücke kann man gehen und gehen, ohne ans Ende zu gelangen. Die Endlose Brücke wurde erstmals 2015 im Zusammenhang mit dem Event ”Sculptures by the Sea” ausgestellt und etablierte sich als permanente Lösung - Kunstwerk und Badesteg.
Nationalpark Mols Bjerge und die Halbinsel Helgenæs
Nordöstlich von Aarhus erstreckt sich der Nationalpark Mols Bjerge - eine 180 km² große Moränenlandschaft, die landschaftliche Vielfalt auf kleinem Raum vereint. Wie ein „Tropfen unter der Nase“ hängt die Halbinsel Helgenæs südlich am Nationalpark und erstreckt sich im Süden bis zum Sletterhage Fyr.
Unser erstes Ziel bei dieser Rundfahrt (und am letzten Tag noch einmal zum Sonnenaufgang) war die rund 700 Jahre alte Kalø Slotsruin. Sie liegt auf einer kleinen Insel in der Kalø Vig und ist über einen künstlichen Damm mit dem Festland verbunden.
Nur wenige Fahrminuten entfernt befindet sich der größte Steindolmen Dänemarks aus der Jungsteinzeit, das ca. 5000 Jahre alte Porskær Stenhus. Die 23 über fünf Tonnen schweren Randsteine bilden ein beeindruckendes Zeugnis prähistorischer Baukunst. Das kleine Dorf Agri mit dem höchstgelegenen See Dänemarks und seiner mittelalterlichen Kirche aus dem 13. Jahrhundert waren ein lohnenswerter Zwischenstopp zum Agri Bavnehøj, mit 137 Metern die höchste Erhebung des Nationalparks. Vom Parkplatz Agri Bavnehøj führt eine schmale Straße durch die schöne hügelige Landschaft der Mols Bjerge bis zu den Trehøje, drei bronzezeitliche 127 m hohe Grabhügel. Von dort hat man ebenfalls einen unverstellten 360-Grad-Panoramablick von Aarhus bis Ebeltoft. Über die schmale Landzunge bei Dragsmur erreichten wir schließlich die Halbinsel Helgenæs. Nach 8 km Fahrt in südlicher Richtung lag Sletterhage Fyr vor uns, ein schöner, leuchtend weißer Leuchtturm aus dem Jahr 1894.
Unsere Tour nach Grenaa
Ein lohnenswerter Zwischenstopp auf dem Weg nach Grenaa ist der Jernhatten („Der Eiserne Hut“). Nach wenigen Metern vom Parkplatz entfernt erreicht man den Waldrand und taucht in diese besondere Landschaft ein. Der kurze Aufstieg zur Spitze führt durch einen Wald mit Süntelbuchen, vorbei an Teppichen mit dunkelgrünem Efeu und im Frühling auch blauen Anemonen. Man wartet förmlich auf die Begegnung mit Trollen und Elfen. Hier kann man sich intensiv mit der Waldfotografie beschäftigen, weitwinklig, aber auch Baumdetails.
Grenaa, das größte Handelszentrum im Djursland, haben wir nach dem Start vom Parkplatz nahe dem Torvet erkundet. An diesem zentralen Platz mit der Grenaa Kirke beginnt der Spaziergang zum kleinen Altstadtbereich mit der idyllischen Nederstræde und ihren gut erhaltenen Fachwerkhäusern. Drei Kilometer vom Torvet befindet sich die über zwei künstliche Inseln gebaute Grenaa Marina; unser nächster Fotospot mit sich auf der Wasseroberfläche spiegelnden hafentypischen Elementen, und nicht zuletzt das markante und architektonisch interessante Gebäude des Kattegatcenter.
Zum Tagesabschluss fuhren wir noch ein kleines Stück Richtung Norden. Zuerst zum Leuchtturm Fornæs Fyr und anschließend zu den Sangstrup Klinter, weiße senkrecht aus dem Meer aufsteigende Kreidefelsen.
Der Abschluss
Am letzten Tag wurden wir dann noch zweimal belohnt: Mit einem schönen Sonnenaufgang, auch wenn die Wolken fehlten und zu guter Letzt mit einem fotogenen Rapsfeld bei der Egens Kirke (Die Rapsblüte war in diesem Jahr bedingt durch das kalte Frühjahr leider deutlich verzögert.).
Es sind in diesen Tagen an der dänischen Ostseeküste viele eindrucksvolle Fotos entstanden, eine Auswahl konnten wir im Rahmen einer Bildershow betrachten. So neigte sich eine schöne Fotoreise mit einem harmonischen Miteinander dem Ende entgegen. Ich habe für mich entschieden: Es ist auf jeden Fall eine Reise mit Wiederholungscharakter.
Wer noch an weiteren Informationen zum Djursland interessiert ist, kann dieses in meinem Artikel für die
Fotozeitschrift „c’t Fotografie - Fototouren Europa II - 2026/2027“ nachlesen.